Autor: Simon Kräling
Datum: 17.5.2026
Was ist Pennsylvaniadeutsch? Entdecke Ursprung, Sprecher & typische Wörter des Pennsylvaniadeutschen. Erfahre, warum der Dialekt der Amischen und Mennoniten rasant wächst.
Mitten in Nordamerika wird heute noch ein Dialekt gesprochen, dessen Wurzeln tief im historischen Mitteleuropa liegen. Das Pennsylvaniadeutsche (oft "Pennsylvania Dutch" genannt) ist ein echtes und vor allem lebendiges Stück Deutschland in Amerika. In diesem Beitrag werfen wir einen Blick auf eine einzigartige Kultur, decken historische Missverständnisse auf und zeigen, warum diese besondere Mundart entgegen aller Trends eine glorreiche Zukunft vor sich hat.
Die sogenannten „Plain People“ sind die Hauptsprecher des Pennsylvaniadeutschen, das sie in ihrer Eigenbezeichnung schlicht „Deitsch“ nennen. Zu diesen Sprechern gehören vor allem traditionelle und religiöse Täufergemeinschaften, allen voran die Amischen (Old und New Order) sowie die Mennoniten. Historisch gesehen stammen die Vorfahren dieser Menschen von Auswanderern ab, die einst aus der Kurpfalz, aus Baden-Württemberg, dem Elsass und der Schweiz nach Nordamerika kamen.
Die bewusste Abgrenzung von der modernen Welt rettete die Sprache vor dem Aussterben. Während stärker integrierte deutschstämmige Amerikaner – oft als die „Fancy Dutch“ bezeichnet – die Sprache im Laufe des 20. Jahrhunderts weitgehend ablegten, hielten die Amischen und Mennoniten durch ihren starken Gemeinschaftssinn beharrlich an ihr fest.
Das ländliche Pennsylvania, und hier ganz besonders das Lancaster County, bildet den historischen und heutigen Schwerpunkt der Sprache. Die Sprache bleibt jedoch längst nicht mehr nur auf diese eine Region beschränkt.
Durch stetiges Wachstum gründen die Gemeinschaften immer wieder neue Siedlungen in ganz Nordamerika. Aus diesem Grund wird Pennsylvaniadeutsch heute in amischen und mennonitischen Gemeinden in vielen weiteren US-Bundesstaaten gesprochen, darunter in Ohio, Indiana, Iowa, Kentucky, Michigan, Missouri, New York und Wisconsin. Auch jenseits der US-Grenze, in der kanadischen Provinz Ontario, sind Sprecher dieser Mundart zu finden.
Das Faszinierendste am Pennsylvaniadeutschen ist die Tatsache, dass es sich um eine wachsende Sprache handelt. Das enorme und rasante Wachstum der amischen und mennonitischen Gemeinschaften ist der Grund dafür, denn die Familien haben im Durchschnitt sechs bis sieben Kinder.
Die familiäre Weitergabe ist der Garant für das Überleben der Sprache. Das „Deitsch“ wird in diesen Gemeinschaften zu nahezu 100 % innerhalb der Familie an die nächste Generation weitergegeben, was die Sprecherzahlen beständig nach oben treibt. Allein in der großen amisch-mennonitischen Siedlungsregion im Lancaster County leben heute Zehntausende Muttersprachler.
Die Flucht vor extremer religiöser Verfolgung und verheerenden Kriegen trieb die Vorfahren im 17. und 18. Jahrhundert nach Amerika. Mitteleuropa war zu dieser Zeit durch den 30-jährigen Krieg, den Pfälzischen Erbfolgekrieg sowie durch Hungersnöte massiv zerrüttet. Insbesondere Täufergruppen wie die Mennoniten und Amischen wurden von der Obrigkeit gejagt, da sie sich strikt weigerten, Eide zu leisten oder Militärdienst zu erbringen.
Das „Heilige Experiment“ von William Penn bot diesen Menschen endlich einen sicheren Hafen. Der englische Quäker gründete 1681 die Kolonie Pennsylvania und garantierte dort allen Siedlern die absolute Religionsfreiheit.
Für Sprecher des Hochdeutschen ist das „Deitsch“ der Amischen und Mennoniten meist noch sehr gut verständlich. Es klingt oft wie ein charmanter Ausflug in die Vergangenheit oder fasziniert durch kreative englische Einflüsse. Hier sind 10 typische Beispiele: