Deutsche Wörter im amerikanischen Englisch: Ein kultureller Export

Autor: Simon Kräling

Datum: 11.4.2026

Kindergarten, Doppelgänger, Schadenfreude – warum so viele deutsche Wörter im Englischen alltäglich geworden sind.

# Deutsche Wörter im amerikanischen Englisch Es ist faszinierend, wie Sprachen sich gegenseitig beeinflussen. Besonders das amerikanische Englisch hat im Laufe der Jahrhunderte zahlreiche deutsche Wörter in seinen alltäglichen Wortschatz aufgenommen. Diese sogenannten "Germanismen" sind oft so tief verankert, dass vielen englischen Muttersprachlern ihr deutscher Ursprung gar nicht bewusst ist. ## Warum haben deutsche Wörter Einzug gehalten? Der Hauptgrund für diesen sprachlichen Austausch liegt in der massiven Einwanderung von Deutschen nach Nordamerika im 18., 19. und frühen 20. Jahrhundert. Millionen von Deutschen ließen sich in den USA nieder, brachten ihre Kultur, ihre Traditionen und natürlich ihre Sprache mit. Besonders in Bereichen wie Bildung, Philosophie, Psychologie und Kulinarik prägten sie die amerikanische Gesellschaft nachhaltig. ## Eine ganzheitliche Liste bekannter Germanismen Hier sind einige der bekanntesten deutschen Wörter, die im Englischen verwendet werden: ### 1. Kindergarten Eines der berühmtesten Beispiele. Das Konzept des Kindergartens wurde vom deutschen Pädagogen Friedrich Fröbel im 19. Jahrhundert erfunden. Als deutsche Einwanderer dieses System in die USA brachten, übernahmen die Amerikaner nicht nur das Konzept, sondern auch das Wort. ### 2. Doppelgänger (oft "doppelganger") In der Literatur und Popkultur weit verbreitet, beschreibt es jemanden, der einer anderen Person verblüffend ähnlich sieht, ohne mit ihr verwandt zu sein. Das englische Wort "lookalike" existiert zwar, aber "doppelganger" hat eine mystischere, spezifischere Nuance. ### 3. Schadenfreude Es gibt im Englischen kein direktes Äquivalent für die Freude am Unglück anderer. Daher wurde das Wort "Schadenfreude" komplett übernommen und wird oft in psychologischen oder journalistischen Texten verwendet. ### 4. Angst Während das englische "fear" oder "anxiety" existiert, wird "Angst" im Englischen oft für eine tiefe, existenzielle Furcht oder ein unbestimmtes Gefühl der Beklemmung verwendet, stark geprägt durch die Psychoanalyse (Freud) und existenzialistische Philosophie. ### 5. Zeitgeist Der "Geist der Zeit". Ein Begriff, der oft in der Soziologie, Kunst und Kulturkritik verwendet wird, um die vorherrschende Stimmung oder Denkweise einer bestimmten Epoche zu beschreiben. ### 6. Wanderlust Die starke Sehnsucht, zu reisen und die Welt zu erkunden. Im Zeitalter von Instagram und Reiseblogs ist dieses Wort im englischsprachigen Raum populärer denn je. ### 7. Delicatessen (oft kurz "Deli") Abgeleitet vom deutschen "Delikatesse" (welches wiederum französische Wurzeln hat). In den USA bezeichnet ein Deli heute ein Geschäft, das feine, oft importierte Lebensmittel, Wurstwaren und Sandwiches verkauft – stark geprägt durch jüdisch-deutsche Einwanderer in New York. ### 8. Poltergeist Ein unruhiger Geist, der durch Klopfen oder das Bewegen von Gegenständen auf sich aufmerksam macht. Bekannt geworden nicht zuletzt durch den gleichnamigen Hollywood-Film. ### 9. Kitsch Beschreibt Kunst oder Objekte, die als geschmacklos, übertrieben sentimental oder billig empfunden werden. ### 10. Kaput (von "kaputt") Wird im Englischen genauso verwendet wie im Deutschen: um etwas zu beschreiben, das zerstört, ruiniert oder funktionsunfähig ist. ## Fazit Die Präsenz deutscher Wörter im Englischen ist ein lebendiges Zeugnis der engen historischen und kulturellen Verflechtungen beider Sprachräume. Sie bereichern das Englische um Nuancen, für die es sonst keine treffenden Ausdrücke gäbe.